Markus Hein, Nestle-Gründe

Ehemaliges Nestlé-Areal: Umnutzung vorerst auf Eis gelegt

Nach dem Verkauf des ehemaligen Nestlé–Areals, das derzeit eine Widmung für Betriebsbaugebiet besitzt, konnten sich Stadt und Investoren auf keinen gemeinsamen Weg einigen.

Eine Entwicklung im Sinne der Investoren als Wohngebiet ist für die Stadt eindeutig negativ behaftet. Das ehemalige Nestle-Areal ist für Arbeitsplätze und für die Ansiedlung kleiner Betriebe bestens geeignet. Diese Arbeitsstätten wären zudem auch entsprechend für Einpendler durch den neu entstehenden S-Bahnhof erschlossen. Als Planungsreferent der Stadt Linz habe ich Wohnungen an diesem Standort von Anfang an kritisch gesehen. Durch die städtebauliche Kommission wurde meine kritische Haltung bestätigt! Ich werde von ihrer eindeutigen Empfehlungen nicht abrücken!

Kurze Wegdistanzen

Die Schaffung von Wohnraum am Areal würde zwar ein verdichtetes Stadtviertel schaffen, allerdings mit dem Effekt, dass viele betriebliche Nutzungen durch die immer näher rückende Wohnbebauung unmöglich werden. Diese müssten dann erst recht wieder außerhalb einer sinnvollen Wegdistanz an den Stadtrand oder überhaupt in die angrenzenden Gemeinden angesiedelt werden. Auf der einen Seite werden die Flächen teurer, somit für betriebliche Nutzung nicht mehr leistbar und auf der anderen Seite stehen die Nachbarschaften betrieblichen Entwicklungen meist kritisch gegenüber.

Wohnungen könnten die Interessen Dritter verletzen

Eine nachhaltige Stadtentwicklung mit einer sinnvollen Verteilung von Wohn- und Betriebsstandorten sieht anders aus. Im Gegensatz zu anderen Standorten (TFL, Postareal, …) würde Wohnen am ehemaligen Nestlé Grundstück auch die langfristige Entwicklung der umliegenden Grundstücke beeinträchtigen und sogar die Interessen Dritter verletzen.

Nachhaltige Stadtentwicklung braucht Zeit

Die Schaffung von leistbarem Wohnraum hat für die Linzer Stadtpolitik selbstverständlich eine sehr hohe Priorität. Doch nicht jeder Standort ist für eine Wohnbebauung – wie in diesem Fall – geeignet. Eine nachhaltige Stadtentwicklung muss weit in die Zukunft blicken. Kleinteilige Eigentumsverhältnisse, wie es Investorenwohnungen meist mit sich bringen, würden jede weitere zukünftige Entwicklung erschweren, wenn nicht sogar verhindern. Aus meiner Sicht müssen wir nicht jede frei werdende Fläche sofort entwickeln. Vielleicht ist es in manchen Fällen auch besser, kreativen Ideen – das ist Wohnen hier eben nicht – mehr Zeit zu geben!