FAQ – Neue Donaubrücke Linz

Die mediale Berichterstattung zur Neuen Donaubrücke Linz warf viele Fragen auf. Ich habe die wichtigsten Antworten auf mediale Anfragen, die auch teilweise nicht korrekt oder sehr vereinfacht wiedergegeben wurden, hier klar gestellt. Mir ist natürlich bewusst, dass Verzögerungen immer unangenehm sind. Vor allem, wenn es sich um ein wichtiges Verkehrsprojekt handelt. Aber man muss auch die Ursachen kennen, wenn man eine offene und ehrliche Diskussion führen will. Viele Häuslbauer wissen nur zu gut, dass bei Planungen Fehler passieren können. Das wichtigste dabei ist aber, einen kühlen Kopf zu bewahren und das Problem zu lösen. Ja, wir werden mit einer Verzögerung von einigen Monaten rechnen müssen. Die Probleme sind gelöst, die Brücke wird gebaut und die Linzerinnen und Linzer werden mit dieser architektonisch wunderschönen Brücke die nächsten 100 Jahre Freude haben.

Warum so eine komplizierte Brücke?

Der Gemeinderat hat mehrheitlich für den Ersatz der Linzer Eisenbahnbrücke einen Architekturwettbewerb ausgelobt. In der Jury saßen Politik, Architekten und Brückenexperten. Obwohl bereits im Rahmen des Wettbewerbs klar war, dass diese Brücke wegen ihres statischen Konzepts nicht einfach zu bauen sein wird, hat sich die Jury mehrheitlich – aus ästhetischen Gründen – dazu entschlossen, diese Brücke als Sieger auszuwählen. Anzumerken ist, dass sich die ÖVP bereits von Beginn an ihrer politischen Verantwortung entzogen und nicht am Wettbewerb teilgenommen hat.

Wer ist der Bauherr der Brücke?

Errichter und somit Bauherr der Donaubrücke ist seit Oktober 2017 die Stadt Linz. Die Einreich- und Ausschreibungsplanung wurden noch von der Linz AG beauftragt und abgeschlossen. Die Linz AG fungiert seit Oktober 2017 als Dienstleister für die Stadt und arbeitet operativ an der Realisierung der Neuen Donaubrücke Linz mit.

Was ist mit der Neuen Donaubrücke tatsächlich los?

Es gibt eine Verzögerung, die die Stahlkonstruktion betrifft, weil die beauftragte Planung fehlerhaft war. In der französischen Ausschreibungsplanung wurde die vertraglich geforderte Ermüdungsfestigkeit zu wenig berücksichtigt. Einzelne Brückenteile wären auf eine zu geringe Anzahl an Lastwechsel ausgelegt gewesen. Die normgemäße Nutzungsdauer hätte sich möglicherweise von 100 Jahren auf 50 Jahre reduziert. Bei der Ausführungsplanung, die von einem Linzer Ziviltechnikbüro gemacht wurde, ist dies zu Tage gekommen. 500 Tonnen Stahl wurden zu wenig eingerechnet. Deshalb musste umgeplant und beim Tragwerk nachgebessert werden. Die Tiefbauarbeiten und die globale Tragfähigkeit waren von dem Problem, das seit März 2019 gelöst ist, nie betroffen. Auch die medial verbreitete Behauptung, es handle sich um einen Rechenfehler, ist schlichtweg falsch. Das Problem war wesentlich komplexer.

Warum schlägt das erst jetzt medial auf?

Die Neue Donaubrücke wird zurzeit medial stark thematisiert. Die Vermutung liegt aber nahe, dass dies auch mit der anstehenden Wahl zusammenhängt. Denn die statischen Probleme wurden bereits im März 2019 der Öffentlichkeit über Print-Medien (z. B. Krone, März; Krone, Mai, meinbezirk,März) kommuniziert. Dass 500t Stahl fehlten, hat zum damaligen Zeitpunkt kein großes mediales Echo ausgelöst und auch beim politischen Mitbewerber kein großes Interesse geweckt. Auch alle relevanten Entscheidungsträger der Stadt wurden von mir umgehend informiert. Der Vorwurf, dass ich nicht informiert hätte, entbehrt jeder Grundlage. Unsere Kommunikation war stets transparent. Ein voreiliges Handeln ohne eine haltbare Lösung hätte nur die ohnehin schon sehr angespannte Situation verschlechtert und sogar das Potential gehabt, eine noch größere Verzögerung in Kauf nehmen zu müssen. Im Gegensatz zur ÖVP erfinden wir – wenn es zeitliche Probleme gibt – aber keine Spatenstiche (Westringbrücke) und auch keine Brückenprojekte (Mauthausen).

Gab es in der Vergangenheit bereits Verzögerungen?

Es gab in der Vergangenheit wesentlich dramatischere Verzögerungen, die wirklich in der Verantwortung der Politik lagen. Diese wurden aber vom politischen Mitbewerber (in dem Fall die ÖVP) nicht in dieser Ausführlichkeit medial gewürdigt!

  • Bürgerbefragung: Durch die Bürgerbefragung mussten die Planungsarbeiten für die Neue Donaubrücke Linz eingestellt werden. Die Bürgerbefragung wurde vor allem von der ÖVP forciert. Als überzeugte Demokraten – und weil im Linzer Gemeinderat in der jahrelangen Brückendiskussion auch keine Einigung in Sicht war – haben wir die Durchführung dieser Bürgerbefragung unterstützt. Es darf aber nicht unerwähnt bleiben, dass dies den Baubeginn um ca. 1 Jahr verzögert hat.
  • Fehlende Finanzierung: Die Finanzierungsvereinbarung hätte bereits 2014 zwischen Stadt und Land abgeschlossen werden können. Die Kosten für die Neue Donaubrücke waren bereits zu dem Zeitpunkt im Wesentlichen bekannt und auch Eingangsparameter für den Architekturwettbewerb. Erst drei Jahre später (als tatsächlich möglich gewesen wäre!) konnte die Finanzierungsvereinbarung im Juni 2017 unter ÖVP LH Thomas Stelzer abgeschlossen werden. Die Verhandlungen begannen unter ÖVP Alt-Landeshauptmann Josef Pühringer erst im Oktober 2016. Vorher hatte er keinen Termin für uns frei.
  • Verzögerte Ausschreibung: Das Ausschreibungsverfahren konnten erst nach der unterzeichneten und beschlossenen Finanzierungsvereinbarung gestartet werden. Es stand erst zu dem Zeitpunkt fest, ob die Brücke über ein klassisches Modell – also Darlehensfinanzierung oder ein sogenanntes Public-Private-Partnership Modell (PPP-Modell) finanziert werden soll. Die konkrete Ausschreibung ist stark vom gewählten Modell abhängig und unterscheidet sich auch dadurch in ihrer Komplexität. Von der verzögerten Finanzierungsvereinbarung war auch die auszuschreibende Leistung der Prüfstatiker betroffen.

Gerade im Hinblick dieser Tatsachen ist hier wieder das alt bekannte Doppelspiel und die Doppelmoral der ÖVP leicht zu erkennen. Die aktuellen Verzögerungen spielen sie bewusst, in der Hoffnung politisches Kleingeld zu schlagen, hoch. Bei den anderen, wesentlich dramatischeren Verzögerungen, hielten sie sich vornehmlich zurück. Das ist aber wenig verwunderlich, denn sowohl für die Bürgerbefragung wie auch für die späte Finanzierungszusage trägt diese zum überwiegenden Teil die Verantwortung und Schuld selbst.

Wie schauen der Zeitplan und die Kostensituation der Tiefbauarbeiten aus?

Die Tiefbauarbeiten, also die beiden Widerlager und drei Pfeiler, sind im Zeitplan und bewegen sich innerhalb der Kostenschätzungen, obwohl Arbeiten in einem Fluss (beide Flusspfeiler) immer mit erheblichen Risiken verbunden sind. Die Tiefbauarbeiten werden erfreulicherweise voraussichtlich im Oktober 2019 abgeschlossen sein!

Gibt es wirklich zu wenig Schweißer?

Auch dieses unsinnige Gerücht, das einfach ein Unsinn ist, wurde bereits an mich herangetragen. Es zeigt aber deutlich, dass im Hintergrund massive Nebelgranaten gezündet werden, mit dem einzigen Ziel, unsere Arbeit und die Stadt Linz in ein schlechtes Licht zu rücken.

Wie geht es weiter?

Natürlich sind alle Beteiligten daran interessiert, dass die Brücke so rasch wie möglich für den Verkehr freigegeben wird. Die Firma MCE, die das gesamte Stahlgerüst für die Brücke liefert, konnte aufgrund der Verzögerung erst später mit den Arbeiten beginnen. Gleichzeitig herrscht europaweit Hochkonjunktur beim Brückenbau. Um die Kapazität zu erhöhen, fertigt die MCE die Stahlteile für die Linzer Brücke nicht nur in ihren zwei Werken in Ungarn und der Slowakei, sondern hat ein weiteres Stahlwerk nahe Nürnburg als Subunternehmen beauftragt. So werden nun in 3 Werken die Stahlkonstruktionen für die Linzer Donaubrücke gefertigt. Diese Teile werden so vorgefertigt, dass sie noch transportabel sind. Das heißt, die Einzelteile dürfen nicht schwerer als 100 Tonnen, nicht länger als 15 Meter und nicht höher als 4,2 Meter sein. Nach der Anlieferung werden sie dann am Vormontageplatz neben der Brückenbaustelle zusammengebaut.

Ursprünglich sollte die Brücke im Herbst 2020 eröffnet werden. Bereits beim Baustellenstart wurde dies aber als sehr ehrgeiziges Ziel ausgegeben. Wegen des Planungsfehlers ist die Einhaltung des ursprünglich angestrebten Zeitplans leider nicht mehr möglich. In einem Jahr, im Herbst 2020 sollte die Stahlkonstruktion der Brücke stehen. Denn bis dahin sollen alle Teile (zwei Hauptträger, 130 Querträger, drei doppelte Bögen) auf dem Vormontageplatz fertig montiert sein, so dass die Brücke in zwei Teilen eingeschwommen und auf die sechs Lager der Brückenpfeiler gesetzt und montiert werden kann. Der erste Brückenbogen wird auf dem Urfahraner Widerlager in Endlage montiert. Wenn der ganze Stahlbau in Endlage montiert ist, wird die Fahrbahnplatte betoniert.

Welche Herausforderung gab und gibt es noch?

Es gab und gibt gleich mehrere große Herausforderungen. Zum einen ist die hier zum Einsatz kommende Zügelgurtbrücke ein sehr komplexes Bauwerk. Die Kräfte, die sich auf der Fahrbahnplatte sammeln, wenn etwa eine Straßen- oder die Mühlkreisbahn darüberfährt, sind enorm. Sie werden über die Bögen nach oben gezogen und dann über die V-förmigen Stützen wieder nach unten abgetragen. Dazu sind sehr viele architektonische Elemente mit unterschiedlichen Geometrien notwendig. Das macht die Brücke zu einer wahren Herausforderung sowohl planerisch wie auch in der Umsetzung.

Aber auch das Einschwimmen wird noch die eine oder andere Herausforderung mit sich bringen. Die holländische Spezialfirma muss ihr Equipment nach Linz über den Rhein-Main-Donaukanal bringen. Über den Rhein-Main-Donaukanal kann das nötige Arbeitsgerät aber nur nach Linz gelangen, wenn die Donau weder zu wenig, noch zu viel Wasser führt. Wenn der Wasserstand nicht passt, muss der wesentlich längere Weg über das Mittelmeer und das Schwarze Meer über die Donau genommen werden.

Die Stahlteile, die eingeschwommen werden, haben ein Gewicht von rund 2700 Tonnen – zum Vergleich, bei der A7-Brücke waren es 1500 Tonnen. Das Einschwimmen und Aufstellen der Stahlbrücke in zwei Teilen wäre in jeweils 1 Woche zu erledigen, wenn es nicht zu viel Wind gibt und auch die Fließgeschwindigkeit der Donau passt. Wie lange die weiteren Arbeiten dauern, wenn das Stahlgerüst steht, ist heute noch nicht absehbar.

Welche zusätzlichen Kosten werden auf die Stadt zukommen?

Wie hoch die Zusatzkosten sind, die durch Umplanung, Verzögerung und neue Bauausführung anfallen, können hier nachgelesen werden. Die Stadt Linz hat jedenfalls Regress bei der Planungsarge angemeldet.