Wie geht es mit der „Neuen Donaubrücke Linz“ weiter?

Planungsmängel in der Stahlkonstruktion, die nicht im Verantwortungsbereich der Stadt Linz lagen, hätten die normgemäße Nutzungsdauer der Neuen Donaubrücke Linz von 100 auf 50 Jahre reduziert. Wir haben daher das statischen Konzepts der Brücke unbedingt überarbeiten müssen. Leider wird sich dadurch die Verkehrsfreigabe um einige Monate verzögern. Dafür wird diese Brücke den Linzerinnen und Linzern aber mindestens 100 Jahre Freude bereiten.

Ende Juni 2017 wurde die Errichtung der Neuen Donaubrücke Linz einschließlich der beidseitigen Straßenanschlüsse, Ingenieur- und Nebenleistungen sowie der vorgezogenen Maßnahmen der Neuen Schienenachse Linz (NSL) und der Mühlkreisbahn mit einem Kostenrahmen von 72.331.000 Euro durch den Gemeinderat genehmigt. Bringt man davon die vorgezogenen Maßnahmen für die Mühlkreisbahn in Höhe von 1.045.000 Euro in Abzug, ergibt sich ein gemäß Finanzierungsvereinbarung mit dem Land Oberösterreich vereinbarter Kostenrahmen von 71.286.000 Euro (Preisbasis Jänner 2017). Auf dieser Basis wurden alle bisher zur Umsetzung erforderlichen Aufträge beschlossen und vergeben. Ich möchte hier auch klar stellen, dass die von der Linzer ÖVP kolportierten 60 Mio.  – in Zusammenhang mit den Gesamtkosten – schlichtweg falsch sind. Diesen Betrag gibt es nur in deren Fantasie!

Ist-Situation
Die bis heute erbrachten Tiefbauarbeiten sind voll im Kosten- und Zeitplan. Dies betrifft insbesondere die aufwendig herzustellenden Pfeiler in der Donau, den Vorlandpfeiler, die beiden Widerlager, die Stützmauern Richtung Hafenstraße und den Straßenbau, welche rund ein Drittel der gesamten Bauleistungen ausmachen.

Im Gegensatz dazu konnten allerdings Planungsleistungen für den Stahlbau aufgrund der komplexen geometrischen und statischen Eigenheiten der Tragkonstruktion durch die mit der Planung beauftragte Arbeitsgemeinschaft (kurz ARGE Planung) nicht zeitgerecht erbracht werden. Hierbei waren insbesondere Verformungs- und Ermüdungsnachweise in der Ausführungsplanung der Stahlkonstruktion problematisch. Dies ist in erster Linie der außergewöhnlichen architektonischen Gestaltung der Brücke geschuldet.

Die endgültige Behebung der von der ARGE Planung offensichtlich nicht erkannten Probleme haben bis zur Freigabe der letzten Ausführungspläne neun Monate in Anspruch genommen. Detailfragen konnten nur durch die Beiziehung von zusätzlich beauftragten Experten und Stahlbaufachleuten gelöst werden.

Die Stahlbauplanungen wurden zwischenzeitig abgeschlossen, die nachgebesserte Ausführung erfüllt alle Anforderungen an die Dauerhaftigkeit.

Die verzögerte Übergabe der Stahlbauausführungspläne sowie der Mehrbedarf von ca. 500 Tonnen Stahl, das höhere Schweißnahtvolumen und kritische Arbeiten, die nicht in den Wintermonaten durchgeführt werden können, verursachen leider eine Bauzeitverschiebung von gesamt ca. 12 Monaten und entsprechende Mehrkosten.

Die Verzögerungen und Mehrkosten wären bei sach- und fachgerechter Leistungserbringung der ARGE Planung nicht aufgetreten. Entsprechende Regressforderungen aufgrund der Planungsmängel sowie der daraus resultierenden Mehraufwendungen wurden bereits angemeldet.

Finanzielle Auswirkungen
Die Planungsmängel ziehen finanzielle Auswirkungen in Form von Mehrkosten auf mehreren Ebenen des Projekts nach sich. Der maximale Kostenrahmen wird sich inkl. Beschleunigungsmaßnahmen erhöhen.
Für die bauausführenden Unternehmen MCE GmbH/ PORR Bau GmbH/ Strabag AG als Generalunternehmer für Brücken- und Straßenbau (inkl. Ausrüstung) ergibt sich eine Erhöhung von 60.000.000 Euro auf 68.500.000 Euro.

Diese Erhöhung betrifft insbesondere

  • Änderung Querträger und Gehwege
  • Zwischenlagerung Querträger und Gehwegkonstruktionen
  • Konstruktive Änderung Gussknoten
  • Preissteigerung Grobbleche
  • Änderung Preisgrundlage Grobbleche, Dicke > 100 mm
  • Manipulation Großbauteile zufolge Gewichtserhöhung
  • Mehrtonnage Stahlbau
  • Konstruktive Änderung Stahlbau (Hauptträger, Bogen, V-Strebe)
  • Gestörter Bauablauf aufgrund Terminanpassungen
  • Zusatzleistung Montage Stahltragwerk
  • Erschwernis doppelt gekrümmte Bleche

Für die Schimetta Consult ZT GmbH/ IBK Ingenieurbüro Kronawetter ZT GmbH als örtliche Bauaufsicht ist mit einer Erhöhung von 1.400.000 Euro auf 1.900.000 Euro zu rechnen.

Für die SBV Ziviltechniker GmbH/ tragwerkstatt Ziviltechniker GmbH als Prüfstatiker des Detailprojekts ist eine Erhöhung von 400.000 Euro auf 550.000 Euro zu verzeichnen.

Für die Linz AG/ NSL GmbH als operative Projektabwickler ergibt sich eine Erhöhung von 650.000 Euro auf 812.500 Euro.

Für eine geplante Bonusregelung für eine frühere Verkehrsfreigabe ist weiters mit einem Betrag von maximal 1.500.000 Euro zu rechnen.

Tatsächlicher finanzieller Mehrbedarf der Stadt von 5,3 Millionen Euro
Durch die prognostizierten Indexanpassungen erhöht sich der im Gemeinderat beschlossene Kostenrahmen von 71.286.000 Euro (Preisbasis Jänner 2017) auf ca. 76.700.000 Euro. Die gesteigerten Gesamtkosten inklusive der Bonusregelung belaufen sich auf ca. 82.000.000 Euro. Dadurch ergibt sich eine tatsächliche Differenz von rund 5.300.000 Euro. Diese Mehrkosten können voraussichtlich durch die Regressansprüche noch weiter reduziert werden.

Gegenüber dem beschlossenen Kostenrahmen ergibt sich somit eine tatsächliche Erhöhung der Gesamtkosten von 7,4 Prozent. Dies ist für ein Projekt dieser Größenordnung und Komplexität sowie angesichts der nicht vorhersehbaren Planungsschwierigkeiten keinesfalls außergewöhnlich.

Angestrebte Verkehrsfreigabe vor Schulbeginn 2021
Um dennoch eine Verkehrsfreigabe vor dem Schulbeginn 2021 erreichen zu können, wurde mit den bauausführenden Unternehmen eine Bonusregelung ausgearbeitet. Diese sieht vor, dass für jede Woche Bauzeitverkürzung ein Bonus von 150.000 Euro ausbezahlt wird, wobei festgelegt wurde, dass die Bonuszahlung erst ab einer tatsächlich erreichten Bauzeitverkürzung von vier Wochen zur Anwendung kommt. Die Bonusvereinbarung ist mit zehn Wochen gedeckelt, sodass diese Bonuszahlung maximal 1.5 Millionen Euro ausmachen kann.